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älterwerden.

Mir wurde an einem Freitag vor einigen Wochen deutlich vor Augen geführt, dass älter werden schön ist. Nicht, dass ich meiner Jugend schon auf Wiedersehen sagen müsste, gewiss nicht – aber dennoch sieht die Welt Anfang zwanzig schon ein wenig anders aus als noch vor fünf bis sieben Jahren.

Man kann aus der Summe seiner Erfahrungen bereits erste Fazits ziehen. Man schafft es, sich in gewissen Situationen besser zurückzuhalten. Ab dem Zeitpunkt, wo man in zeitloses Design investiert hat, bleiben einem Schuhe erhalten. Und möglicher Weise auch andere Kleidungsstücke, denn man wächst nicht mehr. Man weiß meist, wann eine Sache zu Ende ist und zögert deren Ende nicht mehr unnötig hinaus. Man weiß, worauf man bei anderen steht. Und bei sich selbst. Man hat keine Angst, beim Einlass kontrolliert zu werden. Man weiß, welchen Wein man bestellt. Man kann Auto fahren und die Welt bereisen. Man steht am Damenklo nicht total verunsichert neben seinen Freundinnen und hofft auf aufbauende Worte. Man mag sich, so wie man ist und hat akzeptiert, dass man das auch irgendwo muss. Man kichert nicht mehr dämlich, wenn man eine unbedeutende SMS von einem bedeutenden Menschen bekommt. Man kann kochen und damit seinen Mitmenschen Freude bereiten. Man kann anderen etwas beibringen und so deren Welt bereichern. Man kann von seiner Zeit nach dem Abschluss schwärmen. Man sieht vieles gelassener. Man weiß, welche Musik man mag und muss bei der Frage, was man denn höre, nicht verlegen auf den Boden schauen. Man weiß, dass man auf Festivals Gummistiefel braucht, um zu überleben. Und Feuchtigkeitstücher. Man weiß, dass zwischenmenschliche Konflikte immer von den Personen abhängen, und man nicht pauschal eine Lösung dafür finden kann – auch wenn man sich das nach wie vor wünscht. Man weiß, auf wen man sich verlassen kann. Man verbringt seine Zeit nicht mehr mit Menschen, die nicht die gleichen Intentionen haben. Die Freunde, die sich im Laufe der Zeit bewährt haben, sind die wahren. Man kann sagen, dass man sich seit zehn Jahren kennt. Man hat einen Beruf oder eine Wohnung oder ein Haustier, um das man sich kümmert. Man trägt ein wenig bis sehr viel Verantwortung, je nach Lebensabschnitt. Wobei das vom Thema abweicht, denn die Frage, ob Verantwortung immer gut ist, bleibt unbeantwortet. Doch ohne kommen wir nicht voran. Viele Erfahrungen haben wir bereits mehrmals wiederholt. Es gibt wenig, das einem noch Angst bereitet. Egal wie schlimm etwas ist, man hat da meist schon einmal durch müssen.

Ich verstehe Menschen nicht, die gerne jünger wären. Ich verstehe Menschen, die gerne ihre Fehler rückgängig machen würden, schon eher. Wer kann wirklich behaupten, alles genauso machen zu würden, wenn er könnte? Alles? Gibt es nicht eine einzige Sache, die man ändern würde? Natürlich gibt es hier den altbekannten Spruch, dass man nur deswegen “man selbst“ ist, weil einem diese Dinge widerfahren sind. Aber wenn man einen Abend oder eine Woche seines Lebens ausgelassen hätte, in der – im Nachhinein gesehen – unnötige Dinge passiert sind, wäre man dann wirklich von Grund auf ein anderer Mensch? Oder gehört nicht mehr dazu?

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Frühling in deinen Ohren.

So viel gute Musik auf dieser Welt und zu wenig Zeit, um sich alles anzuhören. Und vor allem, um Neues zu entdecken. Nicht alles, was ich hier aufliste, ist “tatsächlich neu”. Ich wollte euch lediglich ein paar der Werke zeigen, die sich momentan in meiner Playlist befinden. Vielleicht braucht jemand gerade dieses Wochenende musikalische Inspiration und möchte hineinhören. Die Songs bewegen deinen Arsch, dein Herz – oder sind einfach nur zum Relaxen da. Versprochen!

Angus & Julia Stone – All Of Me (Oliver Rado Remix)
Birdy – Without a Word
Bombay Bicycle Club – Lights out, words gone | Magnet
City and Colour – What Makes A Man
Computer Magic – Grand Junction
Crystal Castles ft. Robert Smith – Not In Love 
Flying Lotus -Tealeaf dancers
Glen Hansard – Leave
Goodwill & Hook N Sling – Take You Higher
Grimes – Vanessa | Eight
Metric – Sick Muse
Metronomy – The Look (Two Inch Punch Rework)
Modeselektor – Berlin
Phaeleh – The Cold In You (feat. Soundmouse)
Phantogram – Don’t Move | Mouthful Of Diamonds
Radiohead – Idioteque | Everything In Its Right Place
Two Inch Punch – Her Heart Moves 
Van She – Changes
Washed Out – You’ll See It
When Saints Go Machine – Kelly

Einen lieben Dank richte ich an Pia. Eine meiner Inspirationsquellen. 

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8 Euro

Es war spät geworden. Wir trieben uns wie so oft Donnerstagnachts herum und erwarteten Spektakuläres. Also zahlten wir Eintritt, setzten und zu Menschen, die wir flüchtig kannten und bestellten wie immer zwei Shots, um den Pegel zu erhalten. Ich griff in die Erdnussschale und stellte mir dabei vor, wie tausend andere Finger darin herumwühlt hatten. Die Nüsse waren schneller in meinem Mund als ich den Gedanken weiterverfolgen konnte, also beließ ich es dabei. Die Tanzfläche war auch nach gefühlten Stunden beinahe leer und wir beschlossen weiterziehen, um zu sehen, was uns der Abend noch bringen könnte. Nicht dass es schlecht war – aber manchmal verfolgt einen das Gefühl, das Beste verpassen zu können. Es war noch nicht spät genug, um nach Hause zu fahren und dennoch war ich müde genug, um auf der Stelle einzuschlafen. Als ob die Nacht bereits verbraucht wäre. Jacke holen und weg hier. Ich wollte mich nicht mit dem Gedanken anfreunden.

 “8 Euro bitte!“

Es ist fast drei Uhr morgens. Man ist müde. Man wägt ab. Sieht hinüber zu den Menschen, mit denen man da ist. Was passiert, wenn ich jetzt gehe? Ich verpasse die letzten Stunden des Abends, ich sitze alleine in der Nightline, höre Musik und werde mich vermutlich dennoch nicht um den Abwasch kümmern, wenn ich das Haus betrete. Doch was ist, wenn die 8 Euro umsonst sind? Wenn die Musik meine Müdigkeit einfach nicht wegdröhnen kann? Muss ich nicht dann, gegen fünf oder sechs Uhr, trotzdem alleine nach Hause fahren? Was kann man von zwei Stunden erwarten, die die Nacht verlängern könnten? Stichwort alleine. Wann weiß man, dass sich der Eintritt gelohnt hat? Wenn man plötzlich jemand Besonderes trifft, den man lange nicht gesehen hat? Wenn der Barkeeper eine Flasche Sekt spendiert? Oder wenigstens die Musik zum Schreien gut ist? Kein Eintritt, keine Erwartungen. Man kann jederzeit wieder gehen ohne sich darüber Gedanken zu machen, dass man “für die Party hier“ Geld zahlen musste. Man ist entspannter. Durch Eintritt nach drei Uhr morgens steigert sich der Druck ins Unermessliche. Jetzt muss ERST RECHT etwas geschehen, das das (ansonsten) herausgeschmissene Geld rechtfertigen kann. Ich fühle mich ungern dazu verpflichtet, Spaß zu haben.

Wir haben die 8 Euro im Übrigen nicht gezahlt und waren dennoch da. Wie es dazu kam, ist eine andere Geschichte. Vielleicht fliegen wir bald nach Berlin.

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Alles wieder gut.

Und als ich vorhin aufgewacht bin, hat es mich kurz gerissen. Ich war in meinem Bett, wie immer. Es war dunkel, vielleicht mitten in der Nacht. Oder zumindest kam es mir so vor. Kennt ihr das? Diesen Moment, wenn man aufwacht? Und sich erst erinnern muss, was in der eigenen Welt so passiert ist? Warum man hier, und nicht da ist? Man rekonstruiert die Erinnerungen, die man noch kurz vor dem Schlaf hatte. Denkt an Gespräche, an Orte. An Menschen, die einem gar nicht mehr nah sind.  Schüttelt verrückte Träume ab und mit ihnen die dazugehörigen Gedanken. Nicht immer gelingt es. Manchmal ist das Gefühl ein ganz anderes. Als ob sich etwas verändert hätte, während man abwesend war. Man kann den Moment nicht wiederherstellen. Also steht man auf, geht ins Bad – wie gewohnt. Wäscht sich das Gesicht und versucht das Gefühl zu verdrängen, das sich in einem ausgebreitet hat. Es kommt mir manchmal so vor, als ob ich mich selbst in eine vergangene Zeit zurückversetzen könnte. Dann denke ich plötzlich unbewusst daran wie es war, damals aufzuwachen. Genau dieses seltsame Gefühl hatte ich vorhin. Als ob wir nicht März, sondern Juli hätten. Nur ganz kurz. Wirklich ganz kurz.

Als ich den Rechner aufdrehe und kurz durch den Raum gehe – um mir einen Pulli anzuziehen – ist das Gefühl wieder beinahe verschwunden. Als ob es sich durch meine Schritte in Rauch aufgelöst hätte. Es ist alles wieder gut.

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Students Life. Partybekanntschaften nach 3 Uhr nachts nach Hause zu bringen, kommt bei WG-Mitbewohnern vielleicht einen Tick besser an als bei den Eltern.

Echte “Wiener Studenten“ gibt es in Wien scheinbar nicht viele. Vorhin, als ich anfangen wollte etwas über meine Wiener Studienkollegen zu schreiben viel mir nämlich auf, dass ich gar keine habe! So sieht’s aus. Damit meine ich nicht, dass meine Freunde aus Wien nicht studieren – das tun sie, von Medizin bis BWL ist alles dabei – aber das sind nun mal meine Freunde. Und nicht Kommilitonen. Das sind die Menschen, die man schon seit Urzeiten aus der Sandkiste kennt und mit denen man in der Oberstufe den Matheunterricht geschwänzt hat. Was natürlich nicht bedeutet, dass aus Studienkollegen im Laufe der Zeit nicht auch sehr gute Freunde werden können.

Auf was ich eigentlich hinaus will, ist der Unterschied, der zwischen “einheimischen“ und “eingewanderten“ Studenten herrscht. Und warum mich Zugezogene oftmals belächeln, wenn ich ihnen von meinen Lebensumständen erzähle.

Nr. 1.: Die meisten hier geborenen WienerInnen wohnen noch zu Hause, wenn sie studieren. Einzig und allein aus dem Grund: Es ist billiger. Was jetzt nicht bedeutet, dass es absolut immer angenehm ist. Partybekanntschaften nach 3 Uhr nachts nach Hause zu bringen, kommt bei WG-Mitbewohnern vielleicht einen Tick besser an als bei den Eltern, die zwei Stunden später aufstehen sollten.

Nr. 2.: WienerInnen lernen nicht in Bibliotheken. Zumindest nicht die, die so wie ich ein wenig abgeschiedener wohnen und nicht in zehn Minuten an der Uni sind. Allein die Fahrt hin und zurück würde mich knapp zwei Stunden meiner Lernzeit kosten. Wobei die Lernerfolge meiner Mitmenschen scheinbar nicht davon abhängen, wo sie lernen – sondern wie effizient sie das notwendige Übel, um sich überhaupt als Student bezeichnen zu dürfen –über die Bühne bringen. Mein Tipp dazu: Handy wegsperren, von Facebook abmelden und in eine Kammer setzen, die von außen versperrbar ist. Dem Familienmitglied seines Vertrauens den Schlüssel geben und ihn darum bitten, erst in zwei bis drei Stunden wieder aufzusperren. Genau so hab ich die Studieneingangsphase wohl in einem Zug geschafft.

Nr. 3.: Niemand wird wohl an irgendwelchen Stadtführungen für Erstsemester teilnehmen, wo einem die “coolsten“ Bars in Wien gezeigt werden. Dafür kennen wir die besten Orte schon viel zu lange. Was hin und wieder – zugegebenermaßen – auch störend sein kann. Die Erfahrung in eine fremde Stadt zu ziehen und alle Vor- und Nachteile, die damit verbunden sind, mitzuerleben, wird vorerst ausgelassen.

Nr. 4.: Irgendwie traurig aber wahr: Dadurch, dass die eigenen Freunde in Wien wohnen, fühlt man sich nicht verpflichtet, zwanghaft Freundschaften zu schließen. Das erklärt auch, warum ich eine mittlerweile sehr gute Freundin anfangs mit meinem scheinbar desinteressierten Verhalten abgeschreckt habe.

Nr. 5.: Wir fahren zum verlängerten Wochenende höchstens zur Oma ins Gartenhaus und nicht in ein anderes (Bundes)land. Es gibt keine zwei Handytarife, die bezahlt werden müssen und kein Heimweh, das einen die Abende vor Skype verbringen lässt.

Nr. 6.: Genauso wie sich die Grazer, Oberösterreicher oder Münchner Menschen zusammenrotten, tun wir es. Es ist für mich noch immer seltsam wenn ich in einer gemütlichen Runde unter Stundenten am Abend als einzige “Einheimische“ dabei bin. Nicht, weil es mich stört, sondern eher weil ich den Ort, von dem alle reden, meist nicht gut kenne. Die Lokale, die sie “zu Hause“ und “in den Ferien“ besuchen, nie von Innen sehen werde.

Die Zugezogenen haben ein richtiges Zuhause. Eines, an dem sie ihre Familie besuchen können und dort Freunde von früher treffen. Sie erzählen von Wien und den verrückten Dingen, die sie erlebt haben und dem Tagesablauf, den sie nun als Studenten haben. Und sie haben auch ein neues Leben. Eines, das sie sich selbst ausgesucht haben.

Wir haben so etwas nicht, die Spur verwischt. Zwar könnte man jederzeit alle besuchen, aber ausgehen tut es sich zeitmäßig trotzdem nicht. Alles hat sich bisher an einem Ort abgespielt. Die Kindheit, die Jugend. Das früher Erwachsenenleben, falls man es denn als solches bezeichnen kann. Die meisten sind nicht mehr als einmal umgezogen. Wenn meine Studienkollegen zuhause sind, ist die Stadt meist leer. Pubs leben von den Massen an ausländischen Studenten und ich weiß, wie leer es unter der Woche im Dickmacks sein kann. Auf dass ihr alle lange hier bleibt und ich euch bei euren Verwandten in Deutschland oder Kroatien besuchen kann, sobald ihr wieder zurück wollt.

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Heute Eltern. Und noch vor zwei Jahren in den Club kotzen als ob es kein Morgen gäbe.

Eines sag ich gleich vorweg: Wer selbst gerade Eltern geworden ist oder sind – die meisten sprechen von sich und ihrem Fortplanz nur noch in “mommy, daddy und baby“ Fachjargon – sollte diesen Beitrag nicht falsch auffassen oder als beleidigend sehen. Es ist lediglich die Beschreibung eines Tatbestandes, der mir in letzter Zeit unglaublich penetrant vor Augen geführt wurde. Jeden Tag. In Facebook. Da das Phänomen Facebook genauso wie die zwanghafte Art der Selbstdarstellung, die natürlich auch vor mir nicht halt gemacht hat, schon in jedem zweitklassigen Magazinverschnitt im pseudowissenschaftlichen Stil debattiert, erörtert und im großen Stil auf etwaige Vor- und Nachteile für die künftigen Generationen unserer Spezies analysiert wurde, enthalte ich mich jeglichem weiteren Kommentar diesbezüglich und komme – gleich – auf den Punkt:

MUSS ES SEIN, DASS MAN JEDEN VERDAMMTEN TAG EIN FOTO VON SEINEM KIND UPLOADED?

Muss es das? Muss? … MUSS DAS SEIN? Stellt euch vor ihr wärt zwei Stunden alt. Das Erste, was eure Mutter macht, ist das Foto von euch – verheult, rotköpfig und die Haare noch von diversen gebärmütterlichen Schleimtropfen verklebt – online stellt? Gerade auf eine Seite, die sich schon fast “penibel“ an Datenschutzbestimmungen hält. Wie froh ich bin, dass meine Mutter damals nicht auf Facebook war. Ihre Freunde wüssten nämlich jetzt alle, wie ich mit fünf, sechs, zwölf, vierzehn oder zwanzig Jahren ausgesehen habe. Was mich das interessiert, ob es ihre Freunde sehen? Schon mal daran gedacht, dass man keinen Menschen besitzen kann? Und ja, ich finde es auch befremdlich wenn man Schnappschüsse vom Partner in Unterwäsche online stellt, nur weil man es in der Situation grad heiß fand und die ganze Welt daran teilhaben lassen wollte. WERDET ALLE NEIDISCH!

Babies sind süß. Alles klar. Ein nett gemeintes Foto für die Facebook Community – da ist natürlich nichts dabei. Versteh ich auch. Schließlich musste man neun Monate warten. Neun Monate, in denen genug Zeit blieb seinen Babybauch jeden Tag wachsen zu sehen. Und andere auch den hinzukommenden Dehnungsstreifen und Namensgebungsproblemen teilhaben zu lassen. Das ist schließlich etwas anderes, als die dreitägige Lieferfrist von amazon.com, nach deren Ablauf man den erworbenen Kleinkrempel sofort mittels schlecht fokussierten Handyfotos veröffentlichen kann. Nein, nach neun Monaten muss die Freude natürlich riesig sein. Alles klar soweit. Und vorletzter Satz war diesmal nicht ironisch. Kurz dazu: Ich mag Kinder. Zumindest die, denen ich Nachhilfe gebe und ich komme mit kleinen (eigentlich auch großen) Geschwistern immer gut zurecht. Ich bin, was den Nachwuchs angeht, die Älteste in meiner (Stamm)familie und habe schon ein gewisses Gefühl für Nachkömmlinge entwickelt. Was natürlich nicht heißt, dass ich irgendeine Ahnung davon habe, was es heißt, Mutter zu sein.

Die, die jetzt Eltern sind, sehen das sicherlich anders. Nennen mich herzlos und egoistisch. Sie können möglicherweise genauso wenig verstehen, warum mich ihr Verhalten nervt wie ich verstehen kann, warum man sich “das“ mit Anfang zwanzig freiwillig (nun, oder auch nicht) antut. Ich gebe es zu: Ich will das nicht. Muss man sich dafür rechtfertigen? Wer klopft einen auf die Schulter, wenn man nicht vorhat ein Kind zu bekommen, bevor man sein eigenes Leben geregelt hat.

Fakt ist, dass diese Penetranz der Babyköpfen (die, nur so beiläufig am Rande, bestimmt keiner aus eurer Freundesliste auseinander halten kann) auf meiner Facebookstartseite langsam die Überhand gewinnt. Wieso muss man jeden Tag ein Foto zeigen? Weil es einen mit unheimlichen Stolz erfüllt, wenn das Balg das erste Mal in der Badewanne sitzt? Das erste Mal auf das Lätzchen gekotzt hat oder – ganz spektakulär – den Schnuller im Mund hat? Auf der Schaukel sitzt? Soll ich das nächste Mal fotografieren, wie ich mir die Zehennägel schneide? Deren Wachstum verändert sich innerhalb von drei Tagen nämlich vermutlich genauso wie das der Kinder: Sehr minimal und für den Außenstehenden nicht bemerkbar.

Es gibt allerdings auch Positivbeispiele. Ein Foto alle zwei Monate, schön in schwarz weiß gehalten und mit echten Emotionen – statt verschwommen, überbelichtet und mit zugekniffenen Augen auf einer Couch, die rein hygienetechnisch betrachtet weit von der Kinderfreundlichkeit entfernt ist. Freut euch über das neue Leben aber versucht es nicht wie einen fetten Verlobungsring alle fünf Stunden den unter euch weilenden Singles oder auch Vergebenen ohne Kindern vor die Nase zu halten. Vermeidet es, jeden Satz mit “Zwergi/Mini/Babypopo“ zu beginnen und denkt daran, dass ihr auch noch Menschen seid. Und Freunde habt, die sich in eurer Anwesenheit schon genug zusammen reißen und den Kleinen auch in Zukunft Geschenke machen werden. Man muss nicht immer übertreiben, um anderen zu zeigen, dass man glücklich ist.

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Als ob man Gefühle leeren könnte wie Coladosen.

Wenn ich mir heute bei Gesprächen mit Freunden als Außenstehenden zuhören könnte, würde ich mich selbst nicht wieder erkennen. Ich spreche über meine Gefühle mit derselben Gleichgültigkeit wie über leere Coladosen, die rechts neben meinem Schreibtisch verrotten. Das Schlimme, und gleichzeitig allerdings auch Gute daran ist, dass ich mich dabei nicht verstelle. Es ist tatsächlich so, dass sich irgendetwas verändert hat und mir jetzt die Gleichgültigkeit gegeben hat, die ich so lange gesucht habe. Damals, als ich sechzehn oder siebzehn war. Jetzt hab ich sie. Und ich bin so verdammt glücklich darüber. Genauso glücklich, wie verwundert. Alles andere geht nicht mehr in meinen Kopf hinein, seit du mich geschädigt hast. Musste erst so viel passieren, dass es Klick macht? Wie ein Lichtschalter, der umgelegt und mit Gaffa-tape fixiert wurde, sodass er nicht mehr betätigt werden kann. Irgendwann wird mir das zum Verhängnis werden, vermute ich. Aber nicht jetzt. Nicht morgen und schon gar nicht heute. Genug ist genug.

Ich würde mich nicht erkennen, weil ich keinem die Möglichkeit gebe, Besitz von mir zu ergreifen. Wie ein Ballon, der bei jeder falschen Berührung platzen könnte. Den man am besten in Friede lässt, nicht zu viel daran rumpickt oder versucht, ihn vom Schweben abzuhalten. Ich sehe keinen Sinn mehr in Abhängigkeiten.

Abends, zu meiner Lieblingszeit, da schwebe ich gerne. Zwischen all den verrückten Menschen, die es gut mit mir meinen und die mich verstehen. So gut, dass ich nicht danach fragen muss, ob ich Nachschub bekomme. Obwohl mir betrunkene Menschen, die die Musik immer auf die vollste Stufe aufdrehen müssen, meist unheimlich auf die Nerven gehen. Denn ich möchte reden und alles ins kleinste Detail analysieren. Erst wenn das getan ist, möchte ich tanzen gehen. Und danach möchte ich allein sein. Ganz viel. In dieser Reihenfolge. Denn es ist die Zeit gekommen, in der ich das genießen kann. Wo ich mich darauf freue, nach einer harten Nacht den ganzen nächsten Tag nicht aus dem Haus zu gehen. Wo ich im Bett liegen bleiben kann. Und dann denke ich kurz nach, denke an dich. Und wie es früher war. Wie genau hier neben mir jemand gelegen hat, der mir Frühstück brachte und die Krümel aus meinen Mundwinkeln weggewischt hat und für einen kurzen Moment halte ich dann immer die Luft an und presse die Lider zu, bis mir schwarz vor Augen wird und ich weiß: Alles ist gut.

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Das Bild im Spiegel

Täglich steht man davor. Vor seinem eigenen Spiegelbild im Bad. Beim Zähne putzen, beim Haare föhnen, Schminken, Rasieren, Haarspangen befestigen, Zahnseide benutzen, Deo aufsprühen, Kontaktlinsen einsetzen, Abschminken. Doch man nimmt es nicht richtig wahr, dass man sich gerade in Echtzeit vor dem Spiegel beobachten könnte. Man handelt, als ob es das Natürlichste der Welt wäre. Denn das ist es auch.

Komisch wird es erst dann, wenn du plötzlich nicht mehr alleine davor stehst. Jemand steht neben dir und es ist anders als auf Fotos, denn es ist real und nicht schockgefroren. Es ist die akuteste Gegenwart, die es gibt. Es passiert genau in diesem Moment. Du siehst den Menschen neben dir an und denkst dir, dass ihr ein ganz nettes gemeinsames Bild abgeben könntet. Und dann verlässt einer von beiden das Bad und man ist wieder alleine. Dort wo eben jemand stand, ist nur noch ein Hauch von Luft zu spüren.

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Manchen Menschen sieht man es sofort an.

Manchen Menschen sieht man es sofort an. Man klickt sich im Laufe des Abends durch verschiedene Profile und sieht hunderte Gesichter, manchmal auch bekannte. Und dann denkt man darüber nach, wer dahinter steckt. Warum die Menschen so sind, wie sie eben sind. Nicht seine eigenen Freunde, die kann man beurteilen. Denn man kennt sie, zumindest die guten. Da gibt es keine Geheimnisse, die man durch die oberflächliche Profilrecherche entdecken könnte. Nein, ich meine vielmehr die im Laufe der Zeit angesammelten Bekanntschaften, mit denen man in der Volksschule war oder die man irgendwann vor drei Jahren auf dem Abschlussball der großen Schwester kennen gelernt hat. Denen sieht man es sofort an.

Du siehst sie lächeln und strahlen. Glücklich und zufrieden sein. Man sieht die Veränderung, den Lauf der Zeit. Einige davon hat man zuletzt vor vier oder fünf Jahren gesehen. Und wie oft ertappe ich mich bei dem Gedanken, dass sie – die da draußen – doch einfach nur naiv sind. Nichts – auch an den objektiven und durchaus auch arroganten für mich geltenden Ansprüchen an das Leben – erreicht haben und sich auch nicht darum kümmern, je etwas zu schaffen. Nun, es taucht an dieser Stelle vermutlich die berechtige Frage auf, was man denn schaffen soll. Als ob irgendjemand durch das bisschen Wissen, das wir Jahr für Jahr aus Lehrbüchern reproduzieren, etwas wirklich Bedeutendes schaffen könnte. Pure Blasphemie und endlose Gedankenströme. Und dann sehe ich nochmals hin und verfluche sie. Weil sie einfach so glücklich sein können. Bei manchen Menschen ist es nämlich tatsächlich nicht nur Schein, wie ich unlängst bemerken musste. Da packt einen der Neid. Und gleichzeitig weiß man immer noch, was man sich wünscht. Ein bisschen mehr Bescheidenheit, ein bisschen weniger zwanghaft postuliertes Selbstbewusstsein. Man lebt mit seinen unerträglich hohen Ansprüchen an das Leben, sich selbst, die Familie, die Freunde, das Denken und Wissen und Streben tag ein tag aus. Und wartet. Man weiß auch, dass es das – für einen selbst – sicher nicht gewesen wäre und das man um nichts in der Welt tauschen möchte. Man weiß das alles. Denn man sieht den Beweis vor Augen. Nur begreifen kann man ihn nicht.

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